Schwarze Tollkirsche
Atropa belladonna

Karl Kessler, Juni 2011

Bildquelle: Atropa belladonna, Solanaceae, aus Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz von Otto Wilhelm Thomé, Tafeln von Walter Müller, Gera 1885 – Icon_Link_extern www.biolib.de Icon_gemeinfrei

 

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Systematik
Ordnung: Nachtschattenartige (Solanales)
Familie: Nachtschattengewächse (Solanaceae)
Unterfamilie: Solanoideae
Gattung: Tollkirschen (Atropa)
Art: Schwarze Tollkirsche
Wissenschaftlicher Name
Atropa belladonna  L.
Merkmale
Icon_Jupiter_ausdauernd    VI-VIII    50-150 cm    Icon_Heilpflanze     Icon_Totenkopf_giftigIcon_Totenkopf_giftig
Pfahlwurzel braun, mehrfach verästelt, etwa 1 m weit ins Erdreich reichend;
Stängel aufrecht, stumpfkantig, leicht gerillt, oft rötlich überlaufen, fein behaart, ästiges Aussehen;
Laubblätter kurz gestielt, sommergrün, bis 15 cm lang und bis 8 cm breit, oval-elliptisch, lanzettlich zugespitzt; jüngere Blätter reichlich behaart, ältere nur unterseit schwach flaumig behaart;
Blüten braun-violett, zwittrig, meist einzeln, seltener zu 2 oder 3, waagrecht orientiert; Kelch glockig, Krone mit 5-zipfeligem Saum, dieser leicht zurückgerollt;
Früchte schwarze, lackartig glänzende Beeren, ∅ 10-15 mm.
Standort
Die Tollkirsche bevorzugt nährstoffreiche Kalk-, Porphyr- und Gneisböden. Man findet sie häufig auf Waldlichtungen von Laub- und Nadelwäldern, an Waldrändern und auf Brachflächen bis in Höhenlagen von 1700 m.
Gefährdung
RLVlbg: -/-| D: -/- | CH: -+/-
Giftig
Alle Pflanzenteile sind sehr giftig. Die tödliche Dosis bei Kindern wird mit 3-4 Beeren angegeben.
Heilpflanze
In mittelalterlichen Kräuterbüchern steht die „unsinnig und tollmachende“ Wirkung der Pflanze im Mittelpunkt. Hildegard von Bingen assoziierte sie mit dem Teufel und beschrieb die zerrüttende Wirkung der Pflanze auf den menschlichen Geist.
John Ray ging 1686 in der Naturgeschichte der Pflanzen ausführlich auf die Anwendungsmöglichkeiten der Schwarzen Tollkirsche in der Augenheilkunde ein. Der französische Arzt Étienne François Geoffroy (1672–1731) legte in seiner Materia medica eine chemische Analyse der Schwarzen Tollkirsche dar. In einer ausführlichen Abhandlung fasste er die bis dahin bekannten Wirkungen der Pflanze zusammen. Dies führte zu einer gedanklichen Auseinandersetzung über innerliche Anwendungsmöglichkeiten in der Humanmedizin.
Heute wird das aus der Tollkirsche gewonnene Atropin vielfach in der Medizin genutzt, in der Augenheilkunde zur Pupillenerweiterung, in der Intensivmedizin bei Vergiftungen mit Cholinesterase-Hemmern, in der Chirurgie zur Narkoseeinleitung bei bestimmten Operationen.
Jede Apotheke muss Atropin in injizierbarer Form als Antidot gegen Vergiftungen mit Phosphorsäureestern, z. B. E 605, vorrätig halten.
In der Homöopathie findet die Schwarze Tollkirsche unter dem Namen Belladonna Verwendung als Ausgangsstoff in diversen Arzneimitteln.
Wissenswert
Der Gattungsname Atropa entspringt der griechischen Mythologie. Atropos (griechisch Ἄτροπος „die Unabwendbare“) ist die älteste der drei Moiren. Als Zerstörerin war es ihre Aufgabe, den Lebensfaden zu zerschneiden, der von ihren Schwestern Klotho gesponnen und von Lachesis bemessen worden war. Sie wählte die Art und Weise des Todes eines Menschen.
Trivialnamen
Bärenwurz, Bollwurz, Dollwurz, Giftkriesi, Rattenbeere, Schlafkraut, Wolfschriasi u.v.m.
Quellenangabe und Links
Textquelle: Icon_Link_extern Schwarze Tollkirsche bei Wikipedia
Icon_Link_extern Atropa bella-donna bei floraweb.de
Icon_Link_extern Atropa bella-donna bei infoflora.ch
Gifitgkeit Icon_Link_extern Tollkirsche bei gifte.de
»Aphrodisiakum und Schönheitsmittel, Heilmittel und Gift, Zauberpflanze für die Reise in die Anderswelt…« – ein schöner Artikel von Rothani, der sich mit dem ganzen Spektrum dieser Pflanze befasst: Icon_Link_extern Eine tolle Kirsche –  Atropa belladonna bei wurzelwerk.at